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Abbildung: Blockchain-Technologie

Banken leben bisher wesentlich davon, dass sie als Vermittler bei Geld-Angebot und -Nachfrage auftreten und dabei unterschiedliche Interessen ausgleichen. Man bezeichnet sie daher auch als Finanzintermediäre. Diese „Mittlerfunktion“ war über Jahrzehnte ein einträgliches Geschäftsmodell. Im Internet-Zeitalter wird es zunehmend in Frage gestellt.

Tatsächlich gibt es inzwischen eine Reihe von Konkurrenten aus der Online-Welt, die in traditionelle Geschäftsfelder der Finanzinstitute vorstoßen. Vom Crowdlending bis zum Crowdinvesting, von Online-Brokerage über Robo-Advising bis zu Zahlungstransfers über das Netz – die Angriffspunkte sind vielfältig. Fintech-Startups schießen wie Pilze aus dem Boden. Noch sind längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft, da zeichnet sich bereits eine neue Bedrohung für die Bankenwelt ab – die Blockchain-Technologie.

Fälschungssichere Transaktionen im Netz

Worum geht es dabei? „Blockchain“ heißt auf deutsch übersetzt „Blockkette“. Mit diesem Begriff wird bereits ein wesentliches Prinzip der Technologie beschrieben. Sie basiert auf Datensätzen – sogenannten „Blöcken“ -, die über Verschlüsselungen miteinander verkettet sind, kontinuierlich erweitert und dezentral auf verschiedenen Computern abgelegt werden. Durch dieses Verfahren können Transaktionen im Netz sehr sicher durchgeführt werden, ohne dass es dazu einer Instanz bedarf, die die Legitimität und Sicherheit prüft. Die Sicherheit ist durch den Aufbau und die Systematik der Blockkette quasi automatisch garantiert.

Das klingt zunächst abstrakt und was das mit Banken zu tun haben soll, erschließt sich nicht automatisch. Verständlicher wird das, wenn man die Blockchain als eine Art digitalen Kontoauszug versteht, die Transaktionen zwischen Computern genau erfasst und auf vielen Rechnern verteilt abspeichert. Dadurch werden Fälschungen nahezu unmöglich, denn dazu müssten alle involvierten Rechner in gleicher Weise manipuliert werden. Um die Transaktion durchzuführen, wird keine Bank als Abwickler benötigt. Es genügen Kommunikation und Datenaustausch zwischen den beteiligten Rechnern.

Anwendungsfall Bitcoin

Der erste große Anwendungsfall der Blockchain ist die Kryptowährung Bitcoin. Das virtuelle Geld erblickte im Jahre 2008 das Licht der Welt und hat seitdem einen beispiellosen Siegeszug hingelegt. Heute sind Bitcoins ein begehrtes Spekulationsobjekt und werden in allen bedeutenden Währungen gehandelt. Ein Bitcoin kostet derzeit rund 14.000 Euro – rund 13.400 Prozent mehr als bei der ersten Notierung in 2013 – und es gibt immer mehr Stellen, die die Währung aus dem Netz akzeptieren. Bitcoins kommen ohne Steuerung durch eine Zentralbank aus, überhaupt ganz ohne Bankensystem, was wesentlich der Blockchain-Technologie zu verdanken ist. Bitcoins sind dabei nicht mit Blockchains gleichzusetzen, sondern stellen nur einen besonderen Anwendungsfall unter vielen denkbaren dar.

Blockchain-Technologie nicht nur im Zahlungsverkehr relevant

Tatsächlich kann die Blockchain-Technologie überall dort zum Einsatz kommen, wo es um Zahlungen von Rechner zu Rechner geht. Die funktionieren – dank der Blockketten – sicher und schnell – es werden allenfalls Minuten benötigt, wo oft noch mindestens ein Tag gebraucht wird. Ebenso kann auf eine aufwändige Infrastruktur für Verifizierung, Prüfung und Abwicklung verzichtet werden. Das macht Blockchain-Transaktionen nicht nur gut und krisensicher, sondern auch besonders günstig. Da die vielfältigen Gebühren im Zahlungsverkehr eine wichtige Ertragsquelle für Kreditinstitute darstellen, wird bereits aus diesem Umstand das Bedrohungspotential deutlich. Wenn Zahlungen zunehmend banklos abgewickelt werden, brechen die entsprechenden Erträge weg. Diese Entwicklung – Stichwort: Internet-Bezahldienste – ist bereits im Gange.

Da der Zahlungsverkehr ein Schlüsselfaktor für Banken ist, der weitere Geschäfte nach sich zieht, würde eine Schwächung der Position in diesem Bereich nicht ohne Auswirkungen woanders bleiben. Manche Geschäftsfelder sind aber auch unmittelbar betroffen, zum Beispiel das provisionsträchtige Wertpapiergeschäft – Wertpapiertransaktionen benötigen bei der Blockchain niemanden mehr, der den Aufrag ausführt und abrechnet. Selbst die Kreditvergabe ließe sich im Zweifel ohne Kreditinstitut organisieren.

Nicht nur Risiken, sondern auch Chancen

Sicher bedeutet die Blockchain-Technologie für die Bankenwelt nicht nur eine Gefahr. Sie bietet auch interessante Ansatzpunkte, um Prozesse effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Das erklärt, warum namhafte Institute wie die Deutsche Bank oder Santander sich intensiv mit der Thematik befassen. Man befürchtet nicht nur Konkurrenz, sondern erhofft sich auch große Einsparpotentiale.

Klar ist auch, dass Blockchain-Technologie nicht alle klassischen Bankfunktionen ersetzen kann. Bei der Risiko-, Fristen- und Losgrößentransformation sind die Institute als Finanzintermediäre weiter gefragt. Ob diese Reduktion auf den Kern angesichts der sonstigen Fintech-Konkurrenz ein tragfähiges Geschäftsmodell darstellt, wird sich zeigen müssen. Auf jeden Fall dürften Institute, die bei der Blockchain den Anschluss verpassen, es auf Dauer schwer haben, sich am Markt zu halten. Dafür sorgt alleine schon der Wettbewerb in der Branche selbst. Das Fazit lautet: Banken werden durch die Blockchain zwar vielleicht nicht überflüssig, aber anfälliger für Angriffe von außen schon.

Welche Chancen und Risiken sehen Sie in der Blockchain-Technologie? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Bildquelle: Fotolia.com, Fotograf: monsiti

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