ICSFinance & Accounting0 Kommentare

Abbildung: Mann vor Wand mit Fragezeichen

 

Unternehmen mit auskömmlichen Cashbeständen stehen in der Regel vor dem Problem, dieses Geld nicht mehr vor Substanzverlust schützen zu können. Eine 1- bis 2-prozentige Inflationsrate lässt sich in gleicher Prozenthöhe nicht am Geldmarkt anlegen. Somit lassen sich diverse (Ausweich-) Reaktionen beobachten. Zum einen verstärken Unternehmen ihre Investitionen, garantieren diese doch eine Chance auf (deutlich) höhere Erträge und Renditen. Zum anderen erhöhen Unternehmen ihre Risikobereitschaft. Dieses Verhalten ist durchaus bedenklich, bedeutet es doch nicht weniger als das Eingeständnis, zur Erfüllung von Renditezielen verstärkt Risiken zu ignorieren.

Sofern dieses mit Augenmaß geschieht und zwar grenzwertig aber dennoch akzeptabel erscheint, gibt es denn überhaupt die Anlagechancen über 2 oder 3 Prozent? Sicherlich lassen sich diese Chancen finden, wenngleich damit einem Trugschluss aufgesessen wird. Ein wenig mehr an Rendite bedeutet nicht ein wenig mehr an Risiko, sondern vielmehr eine überproportionale Risikozunahme.
Leider beobachten wir Unternehmen, die exakt diesem Denkfehler aufsitzen. Mit anderen Worten lassen sich Renditen von z.B. 5 Prozent nicht mit leichter Risikoöffnung, sondern nur mit extrem hohem Risiko realisieren. Schaut man sich nun die entsprechenden Anlageofferten von Geschäftsbanken an, fällt alleine schon auf, dass es eine kaum nennenswerte Anzahl von Anlagenideen im Portfolio gibt. Schaut man sich auch an, was der (graue) Kapitalmarkt ansonsten zu bieten hat, werden die Anzahl der Anlagemöglichkeiten schon größer und die Renditeaussagen schon optimistischer.

Geldanlage in Niedrigzinsphasen – Wie sollte man diese beurteilen?

Nun, dazu reicht es aus, sich stets auf die üblichen Grundsätze zu verlassen und sich z.B. folgende Fragen zu stellen:

  1. Wer (und hier ist bewusst offen gelassen, wer auch immer der Emittent, Anbieter, Vertriebler etc. sein mag) seinen Anlegern 12 Prozent verspricht muss selber 15-18 Prozent erwirtschaften. Dafür muss der Risikograd extrem gedehnt werden. Dieses Risiko mag zum Teil gehedged sein, nicht jedoch auf Anlegerseite! Wer also besitzt ein Geschäftsmodell mit zwei-stelliger Rendite?
  2. Das entscheidende Wort Totalverlust ist garantiert in Prospekt, Präsentation etc. genannt, wird aber liebend gerne versteckt bis kleingeredet. Wo also finde ich dieses Wort?
  3. Sicher mag das, was 5 bis 10 Jahre gut ging auch noch die nächsten 10 Jahre funktionieren. Es kann aber auch durchaus schon nächste Woche schiefgehen. In volatilen Zeiten ist die Ab-leitung aus der Historie in hohem Maße sinnentleert. Wie sehr setzt mein „Verkäufer“ auf die Vergangenheit? Wir kennen einen konkreten Fall, wo die Unternehmensgründung in 2009 und die ersten zugegeben erfolgreichen 4 Jahre für eine Anlagenidee auf exakt 30 Jahre hochgerechnet werden. Ohne Ausnahme, ohne schwaches Jahr. Wer garantiert einen stetigen Wert-zuwachs bis zum Jahre 2045?
  4. Das zur Renditeerzielung notwendige Instrumentarium wird gerne, sofern nicht von einer Bank angeboten, als „Insiderwissen aus der Hochfinanz“ deklariert. Wer damit argumentiert, hat die erste Stufe zum Anlagenbetrug erfolgreich erklommen. Womit also wird eine Wertsteigerung begründet?
  5. In der Regel lassen sich derartige Renditen nur immobilienbasiert, via venture capital oder als ungesicherte Schuldscheindarlehen und dergleichen realisieren. Dieses ist nicht per se zum Scheitern verurteilt, sondern mag im Einzelfall durchaus funktionieren. Das innewohnende Risiko sollte man dennoch unterstellen. Wie viel also erfährt man wirklich von der Renditequelle?

Fazit

Aus diesen Betrachtungen lässt sich ein dreifaches Fazit ziehen. Erstens, dass jede Geldanlage, die über die üblichen 1 bis 2 Prozent hinausgeht mit überproportionalem Risiko behaftet ist. Zweitens, dass akzeptable Geldanlagen im „Mittelfeld“ 4 bis 6-prozentiger Renditen so gut wie nicht vorhanden sind. Drittens, dass Renditeversprechen um und über 10 Prozent zwar wiederum reichhaltiger existieren, allerdings reine Spekulation darstellen, die nur selten erfolgreich sein dürften.

Gibt es Sie noch die attraktive Geldanlage in Niedrigzinsphasen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

Bildquelle: Fotolia.com, Fotograf: rangizzz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.