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Abbildung: 1 Eurostueck und 1 Stueck Schweizer Franken

Auf den ersten Blick nichts. Und was hat das Ganze mit Privatisierung öffentlicher Leistungen zu tun? Ebenfalls nichts.

Aber der Reihe nach…

Viele deutsche Kämmerer neigen im Allgemeinen gerne dazu, ihre Aufgaben als besonders atypisch hinzustellen, öffentlich-rechtlich bestimmt eben.
Somit gehört es zum guten Ton, sich Vergleiche mit typischen Treasury-Abteilungen in Unternehmen zu verbitten. Es wird vor allem nicht gerne gesehen, wenn öffentlich-rechtliche Aufgaben als grundsätzlich privatisierbar diskutiert werden. Der dann einziehende „Kapitalismus“ in öffentliche Verwaltungen mag ja zugestandener Weise ein wenig Prozesseffizienz bedeuten, wird aber vielmehr als Einzug bloßen Profitdenkens gesehen.

Gleichzeitig jedoch bedienen sich deutsche Kämmerer sehr gerne genau dieser kapitalistischen Methoden, um marode Haushaltslagen aufzubessern. Leipzig mit z.T. völlig miss-glückten Sale-and-Lease-Geschäften oder explosiven derivativen Finanzgeschäften ist ein prominentes Beispiel.
Jüngstes Beispiel sind Fremdwährungskredite. Viele Kämmerer waren der gewagten Meinung, kommunale Finanzen mit Fremdwährungskrediten zu entlasten. Nun hat die Schweizer Zentralbank vor einigen Wochen ihre Währung vom EURO entkoppelt. Die Folgen sind erheblich. Standen z.B. in der besonders klammen Stadt Essen aus NRW 375 Mio. EURO an Fremdwährungskrediten zu Buche, so stieg die Belastung am Tage der Entscheidung der Schweizer Notenbank um 75 Mio. EURO. Mit anderen Worten hat Essen 2014 erstmals seit Jahrzehnten wieder Schulden abgetragen (6 Mio. EURO von rund 3,3 Mrd. Euro) und schlagartig gut das Zehnfache verloren. Diese Beispiele lassen sich beliebig erweitern. Ob Konstanz, Osnabrück, Münster, überall stehen den Kämmerern ungemütliche Fragen ins Haus.

Wieder einmal zeigt sich leider eine unheilvolle Mischung aus Inanspruchnahme professioneller Treasury-Methoden mit ungenügendem Know-how in der Umsetzung.
Letztlich hoffen betroffene Kämmerer darauf, dass sich der Schweizer Franken am Rückzahlungstag erholt hat.
Dieses Prinzip Hoffnung hat mit professionellem Treasury wenig zu tun: Gibt es doch das Heft des Handelns aus der Hand und reduziert die Kämmerei auf das Prinzip Hoffnung.

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar zum Thema Fremdwährungskredite!

Bildquelle: Fotolia.com, Fotograf: Schlierner

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